Sinn des Lebens
Tief im Wald, wo die Bäume dicht, an dicht
stehen, die Sonne nicht durch das grüne Blätterdach dringt,
da befindet sich ein schmaler Pfad, den ich schon oft beschritten habe. So wie
auch Heute, und es roch nach frischem Grün, modrigen Blättern und Ästen, die auf
dem Waldboden langsam zu Humus wurden.
Ich genoss diesen Spaziergang mit allen Sinnen, atmete tief die Luft in meine
Lungen, ließ meine Gedanken schweben, denn ich fühlte mich eins mit dem Wald,
mit dem Dickicht, dass meinen Weg durch die Natur begleitete.
Mit einem Lächeln auf den Lippen schritt ich entspannt den Weg entlang, als ich
plötzlich etwas hörte, angespannt stoppte ich meine Schritte, neigte meinen Kopf
ein wenig und lauschte verwundert, denn es hörte sich an, als ob ein Kind
weinte, dass konnte aber doch nicht sein, denn noch niemals war mir hier eine
Menschenseele begegnet. Dann war es wieder still, nur die Vögel über meinem Kopf
riefen mir ein fröhliches Hallo zu, sangen nur für mich ihre schönsten Lieder.
Ich ging weiter meines Weges, bis ich plötzlich einen tiefen Seufzer vernahm,
wieder blieb ich stehen, neigte meinen Kopf zur Seite und lauschte
angestrengt... Da war es wieder, dieses Weinen... jetzt dachte ich muss ich
einmal nachschauen, was das ist, woher es kommt.... angespannt ging ich den
Geräuschen nach, umrundet einen Baum nach dem anderen... ein wenig mulmig war
mir schon zu mute, denn ich wusste nicht was es war, was mich erwartete, wenn
ich es gefunden habe. Ich ging vorsichtig um den nächsten Baum, blieb dann
erschrocken stehen, hinter dem Baum hockte ein kleines Wesen auf dem Boden,
hatte die Arme um die Knie gelegt, der Kopf lag auf den Armen, ich sah wie die
Schultern zuckten.. Sollte ich es ansprechen, oder nicht, diese Frage stellte
ich mir, blieb dann aber ruhig stehen, sagte kein Wort, denn das Wesen sah so
hilflos aus, wie es da an den Baum angelehnt auf dem Boden hockte.... Wie ein
hilfloses Kind dachte ich..... Da hob es seinen Kopf und sah mich aus traurigen
Augen, in denen die Tränen schimmerten an..
Die Tränen glitzerten, sie waren rot wie Blut, so etwas hatte ich noch nie
gesehen, erschrocken hielt ich die Luft an, traute mich nicht zu atmen......
Wer bist Du? kam es leise von meinen Lippen... Warum weinst Du? Wieso sind Deine
Tränen rot wie Blut
Ein jeder Mensch kennt mich.... die Stimme hörte sich an wie eine Melodie.....
Ich bin * Der Sinn des Lebens * Ich weine, weil die Menschen ihn verloren haben,
nicht mehr nach ihm suchen.... meine Tränen sind rot, weil ich bald sterben
werde, wenn die Menschen sich nicht endlich besinnen und langsam anfangen, ihn
wieder zu suchen..... Langsam stand das Wesen vom Boden auf.....
Da sah ich, dass es auf seinem Rücken Flügel trug, die fest aneinander klebten,
die schwarz aussahen....
Sah ich hier etwa einen Engel, komisch.. Ich dachte immer Engel haben weiße
Flügel, entschlüpfte es verwundert meinem Mund und wieso sind sie
zusammengeklebt ?

Glaubst Du an den Sinn des Lebens, fragte er mich ....
Ja, ich suche ihn schon lange, denn jeder Mensch muss ihn für sich finden und
ich habe meinen Sinn des Lebens gefunden.....
Haben auch Mörder den Sinn ihres Lebens gefunden .....
Nachdenklich schaute ich das Wesen an... Nein denn was sie tun ist *Sinnlos* und
kann nicht der Sinn des Lebens sein....
Haben Kriegsherren den Sinn des Lebens gefunden.....
Nein denn auch sie vernichten Leben, auch das ist *Sinnlos* nicht der Sinn des
Lebens....
Plötzlich wurden die Tränen hellrot, ich fragte verwundert...
Was ist denn das; wieso ändern deine Tränen ihre Farbe, sie werden immer
heller...
Ein Leuchten überzog das kleine Gesicht, die Lippen teilten sich zu einem
kleinen Lächeln, die Bäume um mich herum erstrahlten in hellem Glanz...
Verdutzt schaute ich nach oben, ob die Sonne vielleicht eine Lücke durch das
dichte Blätterdach gefunden hatte.... Dann begriff ich, dass jenes Leuchten von
dem kleinen Wesen ausging, welches mich noch immer gebannt anschaute... Ich
musste schlucken, mein Herz klopfte viel schneller als vorher.. träumte ich...
oder passierte hier etwas, dass mein Verstand nicht begreifen konnte.. ich
schüttelte benommen meinen Kopf, schloss meine Augen, schlug sie nach einer
kurzen Weile wieder auf.... Immer noch sah mich das Wesen lächelnd an.....
Deine Flügel... stammelte ich.. unfähig weitere Worte über die Lippen zu
bringen... Deine Flügel.. meine Stimme erstickte heiser......
Ja ... meine Flügel werden weiß, die Verklebung fängt an sich aufzulösen... ich
danke Dir Menschenkind...
Wenn jetzt noch mehr Menschen so wie Du, den Sinn des Lebens wieder finden, dann
kann ich bald wieder fliegen, muss nicht mehr hier auf dem Boden sitzen, meine
Tränen werden versiegen und mit der Zeit zu glitzernden Diamanten werden.......
Denn Du hast erkannt, das jeder für sich selber den *Sinn des Lebens * finden
muss....
Ich bin ein kleiner Engel der *Sinn des Lebens * genannt wird, hab keine Angst..
ich kann Dich ebenso sehen, wie Du mich sehen kannst.....
Deine Flügel, kam es da wie ein Hauch von meinen Lippen, sind so weiß wie frisch
gefallener Schnee ...
sie sehen so flauschig aus, darf ich sie einmal anfassen ..... Bitte.....
Ja, berühre sie ruhig, antwortete der Engel lächelnd...
Vorsichtig streckte ich meine Hand aus, berührte die weichen Federn, sofort
breitete sich wohlige Wärme in meinem Körper aus, ich fühlte ein Glücksgefühl...
Schmetterlinge kreisten in meinem Bauch umher....
Selig schloss ich meine Augen, um dieses Gefühl noch intensiver zu erleben, sie
fühlten sich an wie Seide, waren ganz warm....
Nach ein paar Minuten oder waren schon Stunden vergangen, ich wusste es nicht ,
hatte jedes Zeitgefühl verloren, öffnete ich vorsichtig meine Augen.....
In meiner Hand hielt ich eine große weiße Feder, von dem Engel war nichts mehr
zu sehen..... Hatte ich das alles nur geträumt, war dieser Engel wirklich hier
gewesen.... Versonnen schaute ich die Feder an, hob sie langsam empor, legte sie
an meine Wange........schloss wieder meine Augen....
Da hörte ich die Stimme des Engels... er sang ein wunderschönes Lied.. ich
kannte es.. wusste aber nicht mehr woher.....
